Unplugged Gottesdienst. So heißt das neue Format in der geistreich Gottesdienst Reihe. Es startete am 20. Februar 2011 mit einem ruhigen und nicht so sehr aufwendig gestalteten Gottesdienst mit Gebet und Musik. Das Thema: Demut!
Ich finde ja, allein das Wort „Demut“ macht einen etwas ratlos. Zu Beginn des Gottesdienstes bekamen also alle Teilnehmer die Aufgabe, das Wort Demut in dreier Gruppen pantomimisch nachzustellen. Es durften anschließend interessante Stellungen betrachtet werden und einige haben durchaus schöne Posen hinbekommen, aber besonders fröhlich und positiv waren die alle nicht.
Ich muss zugeben: als ich in der Vorbereitungszeit zu diesem Gottesdienst an die Predigt gedacht habe,- hat sich gleich so ein schweres Gefühl bei mir eingestellt. „Och, jetzt soll ich erzählen das Demut was Gutes ist. Das ein guter Christ schon demütig sein sollte und überhaupt das es dazugehört und…“ Meistens hatte ich dann auch so ähnliche Bilder wie ihr sie gezeigt habt im Kopf.
Als erstes dachte ich bei dem Thema Demut an einen guten Studienfreund. Ein echtes Schwergewicht vor dem die meisten etwas Angst hatten, weil er so griesgrämig war. Immer wenn es in unserer Clique zu Unstimmigkeiten oder Unmut kam, oder wir uns tierisch über die Professoren an der Uni geärgert hatten und dagegen ankämpfen wollten brummte er nur: „Ist gut für die Demut!“
Na toll. Vieleicht hab ich deswegen bei dem Thema Bauchschmerzen, weil ich mich nämlich ziemlich gerne aufrege und gegen Unrecht (meiner Meinung nach) ankämpfe und überhaut auch gerne Menschen sage, wenn sie mit ihrer Meinung und ihrem Weg falsch liegen.
Und wenn Demut bedeutet dass ich meine Klappe halten soll… naja…
Und dann hatte ich einen Tag vor dem Gottesdienst mit meinem Vater telefoniert. Er ist Pfarrer und wir unterhielten uns über die Predigt „Demut“. Was sagt er? „Also das ist doch ein blödes Thema für Jugendliche und junge Erwachsene. Sich aufzulehnen und den eigenen Weg für den richtigen zu halten das gehört doch zum jung sein dazu“.
Ok. Ich finde das wären genug Gründe gewesen, uns nicht mit dem Thema zu beschäftigt. Aber irgendwie hatte ich das Thema in den letzten Wochen auf dem Herzen gehabt und einige andere in der Jugendkirche auch. Und meistens macht es genau dann Sinn, mal genauer hinzusehen.
Ich find ja, so im ersten fühlen sich die Bibelgeschichten immer ein bisschen weit weg an. Die wenigsten denken: Ja, klar in so einer Situation war ich auch schon mal. Aber, wenn man ein bisschen genauer hinsieht sind viele Geschichten und Gefühle gar nicht so abgespacet. Wir schauten uns hierzu im Gottesdienst die Geschichte von Jona nochmal genauer an:
- Jona hat Angst vor dem was Gott von ihm will und obwohl es anderen helfen würde, will er sich 1. davor drücken und danach ist er 2. angesäuert, dass das Ganze nicht so läuft wie er das will.
- Da sag ich total richtige Sachen zu meinen Eltern, weil sie da wirklich daneben sind und verletzte sie aber damit total.
- Da nerven mich Dinge in der Gemeinde und ich rege mich ständig mit anderen darüber auf.
- Da finde ich, dass ein Freund sich blöd verhält und lasse ihn das auch ziemlich ungnädig wissen.
- Da sitze ich in einer Sitzung und finde, dass alle außer mir, ziemlich drum rum reden.
- Da sage ich meiner Freundin, wie oft andere mir sagen wie schön ich bin und lasse sie mit ihrem blöden Gefühl danach alleine.
Es gibt noch unendlich viele anderen Situationen, in denen wir uns selbst und/oder unsere Meinung über Andere Stellen. Innerlich sowieso und dann absichtlich oder unabsichtlich auch in unserem Handeln. Das verletzt Beziehungen und im Fall von Jona auch die Beziehung zu Gott.
Wenn im neuen Testament von Demut die Rede ist, wird Jesus als Beispiel genannt. Jesus war niemand der nicht widersprochen hat. Er hat nicht alles hingenommen, wenn er wusste etwas läuft falsch. Aber er hat etwas besonders gemacht. Im Zentrum seines Handelns steht nicht er selber. Aber, und das ist wichtig! Das heißt nicht, dass er selbst keine Rolle spielt! Er hat schon gesagt, wenn er vor etwas Angst hatte. Er hat nicht so getan, als wären seine eigenen Empfindungen nicht wichtig, aber sie waren auch nicht das wichtigste. Er sieht auf Gott und auf den, der neben ihm steht. Auf den anderen Menschen. Wenn man sich das bildlich vorstellt ergibt das ein Dreieck. Gott, der andere, und ich selbst.

Bei Jona war der Bereich ICH sehrt ausgeprägt. GOTT kam auch vor, schließlich ist er ihm dann doch gefolgt. Die dreieckecke „Der Andere“ spielte bei Jona jedoch keine Rolle. Und schwupp: der Bereich ICH wurde überdimensional.
Häufig gibt es aber auch diese Variante: ICH und der ANDERE. Wenn der Bereich Gott fehlt, geht’s entweder irgendwann nur noch ums ICH, oder nur noch um ANDERE. Beides ist auf Dauer nicht so gesund. Bei dem Thema Demut ist man aber auch schnell in einer anderen Richtung: Der Bereich GOTT ist sehr ausgeprägt und der Bereich „der Andere“ auch. Und man versucht den Bereich „ICH“ auszublenden. Das klappt aber nicht. Jedenfalls nicht ehrlich. Das ist das, was schnell zu falscher Demut führt.
Jesus macht das anders vor: Er schaut in seinem Handeln und denken auf Gott. Dadurch kann er sich selbst und andere ehrlich und gnädig behandeln. Ehrlich Demütig sein. Weil er den MUT hat, nicht sich selbst zum Maßstab zu machen.
Es gibt ein ähnliches Schild im Straßenverkehr. Es regelt die Vorfahrt an der nächsten Kreuzung.

Da ich grundsätzlich dazu neige, mich in einem der Bereiche zu verrennen, hilft mir oft das Vorfahrtsschild. Das heißt in der konkreten Situation zu prüfen:
- Erhebe ich mich über Andere?
- Setzte ich MICH als Maßstab für ANDERE und Situationen?
- Schließe ich GOTT vielleicht aus?
- Versuche ich es nur den ANDEREN recht zu machen?
Wie sieht es also aus? Kommen gerade alle drei Bereiche vor? Oder befindest du dich gerade auf einer Unfallfahrt?
Amen



